Wildwasserfahrt nach Landeck
vom 29.09.- 04.10.2000

 

Ein Blick in den Kalender offenbarte, daß der Feiertag eigentlich recht günstig auf einen Dienstag liegt. Wo könnte man also noch einmal eine Runde Boot fahren gehen ?

Der Wasserstand sollte in der Region ausreichend sein und die Wetterverhältnisse einigermaßen stabil. Nach einigen Überlegungen kam Landeck ins Gespräch. Schließlich waren wir hier schon einmal im Herbst gewesen. Damals mit dem OKC (Osnabrücker Kanu Club); eine Fahrt, an welche sich heute nicht unbedingt jeder mehr erinnern möchte. Spaß hatten wir zwar dort ohne Ende, im Vorspann des dazugehörigen Videos bedankte man sich bei den Firmen Hofer, Lidl - und Bayer.  Aber das ist eine andere Geschichte ...

Als Unterbringung hatten wir zunächst die auf dem Campingplatz in Landeck befindlichen Hütten ins Auge gefaßt, aber nicht nur, daß wohl einige andere Bootfahrer auf die gleich Idee gekommen sind, auch die Reservierungsanfrage ist leider an den falschen Campingplatz gegangen.

Die Resonanz auf die Fahrt war nicht besonders berauschend, so das schließlich Birgit, Stefan (KWG Krefeld; kein Lese- und Tippfehler), Mark und ich, Christian, die Reiseplanung angingen. Zumindest Mark und ich hatten uns schon mit der Unterbringung im Zelt abgefunden, als uns Stefan und Birgit eröffneten, daß sie einen Wohnwagen hätten und diesen mitnehmen wollten.

Manchmal sollte man halt dazu stehen, ein Foliengriller zu sein und wir fanden die Idee klasse.

Übrigens bin ich fremd gegangen. Nein, nicht was Du jetzt denkst. Ich habe meinen Gattino in der Bootshalle gelassen und anstelle dessen von Mark den Boxer getestet. Am Anfang ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber dann ein gutmütiges und recht sicheres Boot. Nur am Sitz sollte Prijon noch was machen: Der Rückengurt ist nicht wie z.B. beim Gattino auf der gesamten Breite mit der Sitzschale verbunden, sondern nur mit einer “Schnur”. Das hat gegen Ende der Tour dazu geführt, daß der Rückengurt aus dem Sitz herausgebrochen ist.

Gestartet sind wir am Freitag; am Nachmittag haben wir uns in den großen Stau eingereiht und hatten so noch die Gelegenheit, auf der A 61 Paddler aus Duisburg zu treffen, die auf dem Weg in die Eifel waren. Gegen Mitternacht sind wir in Landeck angekommen und haben dort Birgit und Stefan getroffen, die mit dem Wohnwagen schon seit einigen Stunden da waren.

Birgit und Stefan hatten noch nicht besonders viel Erfahrung mit dem Wildwasserpaddeln, aber das sollte sich nach dem verlängerten Wochenende schon legen.

Am Samstag hatten wir uns zum Ein- und Warmfahren die Giarsun Schlucht / Inn ausgesucht. Der Wasserstand war niedrig und somit auch nicht besonders wuchtig. Trotzdem konnten wir am Ausstieg vier Kenterungen in die Bilanz aufnehmen. Mark hat hier die Gelegenheit genutzt, sein selbst gebautes Spielboot zu testen und war mit den Fahreigenschaften sehr zufrieden. Übrigens das erste Spielboot, in welches ich hineinkomme, ohne die Beine verdrehen zu müssen und nach wenigen Minuten das Gefühl zu haben, daß ich besser wieder das Boot verlassen sollte.

Ich persönlich finde die Ausstiegsstelle; bzw. unmittelbar davor, immer wieder heimtückisch. Den Blick auf die Ausstiegsstelle gerichtet, übersieht man immer wieder die kleine Stufe, die es allerdings in sich hat. Während ich “nur” kerzend aus dem Unterwasser kam, hat Stefan aus der Kerze direkt einen Rückwärts- Überschlag gemacht. B- Note 4,3; wurde geschmälert durch das anschließende Schwimmen.

Für den Sonntag hatten wir uns eigentlich die Imster Schlucht und die Ötztaler Ache vorgesehen, aber von unseren Nachbarn, einer Gruppe von Ulli´s Paddel Shop, haben wir erfahren, daß durch Fön- Winde der Gletscher ein wenig angetaut wurde und entsprechend viel Wasser in der Oetz ist. Also haben wir diese gestrichen. Übrigens haben wir auf dem Campingplatz noch einen alten Bekannten wiedergetroffen: Wanninger. Wer ihn schon lange nicht mehr gesehen hat - er hat sich nicht verändert.

Auch die Imster Schlucht war mit reichlich Wasser gefüllt und wir haben eine relativ ruhige Fahrt hinunter gemacht. An der Oetz Mündung konnte man deutlich den Zusammenfluß erkennen: Hier vermischte sich eine trübe Suppe mit dem Inn.
Ein bischen Spaß muß sein
Nur nicht normal fahren !

Just als wir an der Mündung eine kurze Pause einlegten, kam auch ein Raft hinunter - welches prompt gegen den nicht zu übersehenden Felsen an der Preussenschleuder fuhr. Dabei ist den Jung´s & Mädel´s ein Mitfahrer über Bord gegangen, welchen ich auf der anderen Flußsseite an Land bringen wollte. Während wir fröhlich in Richtung der nächsten kleineren Schwallstrecke mit leichter Verblockung zutrieben, wollte er sich nicht retten lassen, da “man ihn sowieso gleich wieder abholen würde”. Erst nachdem ich ihn kurz darauf aufmerksam gemacht habe, wo wir denn gerade so zutreiben, ließ er sich überreden. Zum Schwimmen war die Stelle bestimmt nicht klasse ...

Jedenfalls fand ich es schon recht erstaunlich, wie wenig die Touri - Rafter über die möglichen Gefahren informiert sind. Oder diese ignorieren, weil ja bei einer gebuchten Veranstaltung nichts passieren kann.

Für den Montag hatten wir uns wieder den Inn ausgesucht; diesmal die Scuol Schlucht. Auch hier hatten wir wieder einen vergleichsweise niedrigen Wasserstand.

Ich bin mir sicher, daß die Einstiegsstelle hier war ...

Trotzdem - oder gerade deshalb - konnten wir die Kenterungsbilanz um 3 erhöhen, wobei es Stefan noch schaffte, in einer Stufe zu rollen. Hut ab.

Allerdings hat sich Stefan auf der Hälfte der Strecke entschlossen, die Fahrt abzubrechen und so sind Birgit, Mark und ich alleine weiter gepaddelt.

Ca. 1,5 Km vor dem Ausstieg verengt sich der Fluß und es geht auf verblockten Pfaden einen Abfall hinunter. Nach eingehender Besichtigung ist Mark zuerst gefahren und mit leichten Schwierigkeiten unten angekommen. Wir haben ein wenig gewartet, damit sich Mark auf ein Photoshooting vorbereiten konnte. Als nächster bin ich gefahren, habe leider die Idealline verloren und bin mehr oder minder seitwärts den Abfall hinunter gefahren. Zur falschen Seite in der Walze gekantet und weg war ich.

Mark hat dann bewiesen, daß er ein Mensch mit Prioritäten ist: Zunächst wurde eine nette Foto- Serie von dem Spaß geschossen, dann wurde die Bergung eingeleitet. Nur nichts überstürzen ! Mein Schienbein schmerzt immer noch von dem Schwimmen, aber damit ist jetzt auch mein Entschluß gefestigt, so schnell nicht wieder nach einer Kenterung auszusteigen.

Birgit hat sinnvollerweise erst gar keinen Anlauf auf die Stelle genommen, sondern das Boot direkt umtragen ...

Ein kleines Problem hatten wir noch mit Stefan: In der Tradition von Thorsten haben wir eine Abkürzung ausprobiert und sind einer Straße gefolgt, welche uns zumindest lt. GPS in die richtige Richtung brachte. Berghoch wurden wir erst mißtrauisch, als wir uns der Baumgrenze näherten. Theoretisch waren wir nur noch wenige hundert Meter von Stefan entfernt - allerdings war er mindestens 600 Meter tiefer ...

Auf dem Rückweg haben wir noch Anke aus Stuttgart getroffen, die mit Ihrer Gruppe ebenfalls in der Gegend unterwegs war. Getreu dem Motto: “Nur die Harten kommen in den Garten” hatten sie ihr Lager in Chinochell aufgeschlagen. Als wir Ihr die freudige Mitteilung machten, daß die Schneegrenze in dieser Nacht auf 1600 Meter und damit auf Zelthöhe sinken solle, legte sich - allerdings nur kurzfristig - die Begeisterung.

Dienstag war dann volles Programm. Wieder der Inn, diesmal allerdings die Tösens Strecke. Die ist mir noch bestens in Erinnerung vom Sommer, als wir mal eben vor dem Abendessen noch eine Runde Boot fahren wollten und ich dann am Ortseingang von Tösens nett schwimmen gegangen bin (siehe auch die internationale Wildwassertour aus diesem Jahr).

Der Einstieg führte direkt zur Erheiterung; allerdings wegen eines Hinweisschildes:

Gut, daß man extra daruf hingewiesen wird, daß Klauen nicht erlaubt ist ...

Stefan hatte an diesem Tag nicht unbedingt die Motivation, sich wieder ins Boot zu setzen und so machten wir uns zu dritt auf den Fluß. Damit ist Stefan dann zum männlichen Shuttle Bunny mutiert; während man bei den Weibchen von einem Shuttle- Bunny spricht, ist dies bei den Männchen der Shuttle- Cook.
 

Warmfahren
Prallwand nix gut ...
Kurze Pause
Und weiter geht´s

Hier konnten wir dann keinen Schwimmer auf die Bilanz setzen. Da das allerdings nicht sein konnte, haben wir uns noch die Sanna angesehen. Praktisch war hier, daß die Ausstiegsstelle unmittelbar am Campingplatz ist und damit das Autoumsetzen kein großes Problem darstellt.

Spätnachmittags war es dann soweit und wir fuhren los. Allerdings stellte Birgit bereits nach wenigen Metern fest, daß dies nicht ihr Tag ist und sie hat die Fahrt nach einer kurzen Kenterung abgebrochen. So sind Mark und ich alleine gefahren.

Am schiefen Eck ist Mark vorgefahren - mit seinem Spielboot. Beim Hinunterfahren der ersten Stufe hat er dann einen unfreiwilligen Überschlag gemacht - nach vorne. Schade, daß ich keine Kamera dabei hatte, denn sein Gesicht war Gold wert... Zuerst hatte ich mich noch gewundert, daß er sich ausgerechnet diese Stelle zum spielen ausgesucht hatte.

Später im Pianser Schwall hatte er noch einen unfreiwillige Kerze hingelegt. Auch wieder eine seltsame Stelle zum spielen; soweit ich weiß, ist die auch nicht im Sanna - Spielplan aus dem Kanu Magazin verzeichnet.

Abends hatten wir uns noch ein wenig zu der Gruppe von Ulli´s Paddel Shop gesetzt. Allerdings erst, nachdem Mark und ich die Leute davon überzeugt hatten, daß wir besser nicht weiter singen sollten.

Oropax wirkt Wunder !

Mit von der Partie war auch ein Binnenschiffer. Auf die Frage, woher wir kämen, sagte ich Rheinkilometer 762,3. Ja, Uerdingen kennt er.

Mittwoch war Abreisetag. Allerdings haben wir noch einen Abstecher zum Rißbach gemacht. Nach 2 Jahren mit hohem Wasserstand war denn der Rißbach mit gutem Mittelwasser vorzufinden. Selbstverständlich haben wir zuerst den ehrfürchtigen Blick in den Klamm gemacht; aber irgendwie wollte weder Birgit, noch Stefan uns abnehmen, daß die Ausstiegsstelle nach der Klamm ist.

Die Fahrt selber war recht ruhig; an einer Spielstelle bin ich kurz gekentert - und gerollt. Meine erste Rolle unter Einsatzbedingungen.

An den Schrägen Rippen dann eine kurze Pause: Die Rippen war so gerade überspült und endeten in einer Schrägwalze. Also die linke Rippe treffen und auf der Außenbahn nach unten. Mark und ich haben im folgenden Kehrwasser auf Birgit und eine weitere Gruppe gewartet. Mark mit der Kamera und ich mit dem Wurfsack. Birgit hatte es an den Rippen geschmissen, aber sie war schnell wieder im Boot.

Dann zum Straßen S. Da der Stein in der Mitte nicht überspült war (Rentnerweg), mußte man tatsächlich die klassische Route fahren. Hier hatte keiner Schwierigkeiten. Nach einem gemütlichen treiben-lassen kam der Eingang der Klamm und an den bekannten Garagen war die Tour leider zu Ende. Weiter runter wollte irgendwie keiner ...

Tja, das war’s dann leider. Nach dem Umziehen hektischer Aufbruch und ab auf die Bahn, Richtung Norden.

Fazit: Einigermaßen gutes Wetter, viel Spaß, angenehme Wasserstände, 8 Kenterungen (auf die Kenterrunden haben wir mit Hinblick auf die Gesundheit verzichtet) - und die alten Bergeübungen konnten unter realistischen Bedingungen aufgefrischt werden.

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